Transcultural Perspectives on Late Medieval and Early Modern Slavery in the Mediterranean
Die internationale und interdisziplinäre Tagung widmet sich einem weitgehend vernachlässigten Aspekt transkultureller Geschichte, der die vormodernen Gesellschaften des Mittelmeerraums nachhaltig prägte und für das Verständnis der europäischen Kolonialgeschichte in Übersee grundlegend ist, im modernen Europadiskurs jedoch immer mehr in Vergessenheit geriet: dem Thema mediterraner Sklaverei und den Wechselbeziehungen christlicher und muslimischer Praktiken von Sklavenhandel und Sklavenhaltung dies- und jenseits des grossen Binnengewässers.
Das Thema ist dabei in besonderer Weise geeignet, totalisierende Kultur- und Epochenzuschreibungen zu hinterfragen. Denn zum einen können stereotype Vorstellungen eines mittelalterlichen Christentums, das den Menschenhandel verbot, und eines Islam, welcher der Sklaverei zu neuer Blüte verhalf, einer genaueren Betrachtung der vielfältigen Verflechtungen im mediterranen Raum über vermeintliche „Kulturgrenzen“ hinweg nicht standhalten. Zum anderen lässt sich die Geschichtsvorstellung, die das europäische Mittelalter als Epoche der Leibeigenschaft einer Frühneuzeit gegenüberstellt, die mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ auch Kolonisation und Sklavenhandel neu erfand, nicht bestätigen.
Ziel der Tagung mit rund 25 ReferentInnen aus Europa und Übersee ist es, quellengestützte, mikrohistorische Lokalstudien mit bestehenden Grossnarativen zu konfrontieren, für den interdisziplinären Dialog zwischen der Mediävistik und der Frühneuzeit, der Osmanistik und Islamwissenschaft, der Byzantinistik, Judaistik, Afrikanistik und Religionswissenschaft wichtige Impulse zu liefern und für die internationale Sklavereiforschung neue Forschungsperspektiven zu eröffnen.
Samstag, 15. September 2012, 15:00 Uhr
Raum: SOC 1-106