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Was macht Finnland anders? Ergebnisse einer tri-nationalen Videostudie

Bei internationalen Vergleichsstudien, wie zum Beispiel PISA, schneiden finnische Schülerinnen und Schüler meist besonders gut ab. Welches könnten die Gründe sein? Hypothesen bestehen viele, zum Beispiel: die gezielte Förderung, welche Kinder mit besonderen Bedürfnissen geniessen, das gegenüber vielen Ländern deutliche geringere Unterrichtspensum finnischer Lehrpersonen, die Gesamtschule auf der Sekundarstufe I, die hohe Autonomie der Schulen, gegenüber anderen Ländern klarere und bessere Unterrichtsziele, -inhalte und -methoden.
In dem von uns, d.h. von der Universität Duisburg-Essen (Deutschland), Universität Jyväskylä (Finnland), den Pädagogischen Hochschulen Bern und Nordwestschweiz, durchgeführten Forschungsprojekt (2008-2013) geht es um die letztgenannte Hypothese. Zwei Forschungsfragen stehen im Zentrum der tri-nationalen Studie: 1. Welche Unterschiede weist der Physikunterricht in Deutschland, Finnland und der Schweiz auf? 2. Wie weit lässt sich mit einem Modell von Unterrichtsqualität die Entwicklung von Schülerkompetenzen in Physik voraussagen?
Um die Fragen zu beantworten, wurde der Physikunterricht zur Elektrizitätslehre in über 100 finnischen, deutschen und Deutschschweizer Klassen des 9. Schuljahrs analysiert: Videographierung einer Doppellektion zum Thema „Zusammenhang zwischen elektrischer Energie und Leistung“, Erheben von Schülerdaten und -einstellungen, Leistungstests am Anfang und Ende der Elektrizitätslehre, Befragen der Lehrpersonen. Die Videodaten wurden auf der Basis verschiedenster, z.T. neu entwickelter Kategoriensystem codiert und ausgewertet: einerseits Oberflächenstrukturen u.a. „Unterrichtsformen“ und „Experimentieren“, andererseits Tiefenstrukturen, so „Klassenführung“, „konstruktivistische Ansätze“ und wiederum „Experimentieren“.
Im Vortrag werden theoretisches Modell, Design, Kategoriensysteme und insbesondere Resultate des Forschungsprojekts vorgestellt. Die Ergebnisse weisen einige signifikante Unterschiede zwischen den drei untersuchten Ländern auf, in den meisten Fällen zugunsten Finnlands. Unsere Studie liefert erste Hinweise, dass das gute Abschneiden Finnlands in internationalen Vergleichsstudien zum Teil vermutlich auf den „anderen“ Unterricht zurückgeführt werden kann.

Datum/Zeit Mittwoch, 28. Nov 2012, 16:15 Uhr bis 18:00 Uhr
MitPeter Labudde
Ort Universität Zürich Zentrum, Rämistrasse 71, 8006 Zürich
Raum: KOL G 217
VeranstalterInstitut für Erziehungswissenschaft
KontaktMario Fux (Mail)
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