Körperarchiv #3: Suse Wächter

Montag, 16. April 2018, 19:00 Uhr

Der Jahresschwerpunkt »Körperarchiv« beginnt im HS 2017 und wird von Dorota Sajewska und Ana Sobral organisiert. Er widmet sich der Erforschung des Körperarchivs im Kontext des archival turn in der Kunst und Theorie. Die archivale Wende in der Philosophie (Jacques Derrida) löste eine theoretische Debatte um die Notwendigkeit der Neubestimmung des Verhältnisses zwischen performativen Künsten und Archiv aus. In dieser Debatte ging es vor allem um die Dekonstruktion des kulturellen und wissenschaftlichen Vorurteils, Performance sei lediglich als ein Ephemeres zu begreifen, das sich jeglicher Aufzeichnung, Konservierung und Bewahrung entzieht. Die der anthropologischen Schule zugehörigen PerformanceTheoretiker (José Esteban Muñoz, Rebecca Schneider, Diana Taylor) betonten dabei die für die westliche Kultur charakteristische Marginalisierung körperlicher bzw. performativer Praktiken, in deren Folge der Körper aus dem Archiv ausgeschlossen wurde und damit dem Einfluss auf Geschichtsnarration und Identitätspolitik entzogen wurde. Innerhalb des Schwerpunkts »Körperarchiv« werden künstlerische Praktiken analysiert, die auf dem Nachspielen, der performativen Wiederholung oder der mehrfach vermittelten Verkörperung von Geschichte (und Geschichtsbildern) gründen. Sie werden aufgrund ihres metamedialen Charakters als eine Variante erkenntnistheoretischen Handelns betrachtet, die neben den Strategien und Praktiken des Erinnerns auch den Status von Quellen, Zeugnissen und Dokumenten reflektiert. Somit wird eine Form der Geschichtsschreibung erforscht, für die der Begriff des Körperarchivs – verstanden als Agens einer umfassenden materiellen Dokumentation der Vergangenheit – besonders relevant erscheint. Diese Kategorie umfasst sowohl organische Trümmer, Gegenstände und Orte als auch Reproduktionen der Überreste der Vergangenheit, die einer medialen und technologischen Archivierung unterworfen und in lebenden Zeugnissen, in älteren wie auch zeitgenössischen performativen, visuellen, schriftlichen und auditiven Dokumenten bewahrt sind.

Ort Cabaret Voltaire, Krypta, Spiegelgasse 1, Zürich
VeranstalterZentrum Künste und Kulturtheorie
KontaktSandra Frimmel (Mail)